300 Jahre – 300 Dinge: Planstadt Ludwigsburg

Guter Fürst

Guter Fürst

1704 ließ Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg den Grundstein zu Schloss Ludwigsburg legen. Bis zu seinem Tod schufen Bauleute und Künstler eine der größten barocken Schlossanlagen Europas. Unter dem Gründer und seinem Nachfolger Carl Eugen war sie insgesamt 28 Jahre lang württembergische Residenz. Mit dem Schloss als Gesamtkunstwerk und prächtigen Festen zeigten die Herzöge ihre uneingeschränkte Macht ohne Rücksicht auf die Finanzen des Landes. Sie sahen es als ihre wichtigste Aufgabe an, dem württembergischen Hof Ruhm und Glanz zu verleihen und sich im Wettbewerb mit anderen europäischen Herrschern zu behaupten.

Idealstadt

Idealstadt

In unmittelbarer Nähe zu Schloss Ludwigsburg plante Herzog Eberhard Ludwig die Gründung einer Idealstadt. Von 1709 an warb er mit immer neuen Vergünstigungen um Bürger: Anfangs versprach er kostenfreie Baugrundstücke und -materialien sowie fünfzehn Jahre Steuerfreiheit, später zusätzlich freie Berufsausübung und Religionsfreiheit. Doch die Siedlung begann erst zu wachsen, als sie 1718 die Stadtrechte erhalten hatte und zur Residenz- und Hauptstadt erhoben worden war. Nach dem Tod des Regenten verließ die Hälfte der Einwohner die Stadt, denn der Nachfolger Herzog Carl Alexander regierte wieder von Stuttgart aus. Herzog Carl Eugen wählte Ludwigsburg 1764 erneut zu seiner Residenz und erweiterte die ältere Ludwigsstadt um die neue Carlsstadt.

Musensitz

Musensitz

Am württembergischen Hof beschäftigten die Herzöge Eberhard Ludwig und Carl Eugen herausragende Künstler. Besonders Carl Eugen machte Ludwigsburg mit dem Bau des seinerzeit größten Opernhauses in Europa, der ersten öffentlichen Bibliothek Württembergs und der Akademie der Künste weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Auch für nachfolgende Generationen war dieses kulturelle Umfeld Ausgangspunkt für die Entfaltung künstlerischer Talente. Die Stadt ist als Geburts- und Wohnort bedeutender Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts bekannt: Christian Friedrich Daniel Schubart, Friedrich Schiller, Justinus Kerner, Eduard Mörike, David Friedrich Strauß und Friedrich Theodor Vischer wurden hier zu wichtigen Werken angeregt.

Neuerfindung

Neuerfindung

Als die Landesherren Ludwigsburg 1816 endgültig den Rücken kehrten, kam das kulturelle und wirtschaftliche Leben zum Erliegen und die Stadt verödete. Erst mit der Anbindung an das 1846 errichtete Eisenbahnnetz brach eine neue Zeit an. Große Unternehmen wählten die Stadt als Firmensitz, allen voran 1868 die Kaffeemittelfirma Franck. Die Fabrikherren entwickelten sich zu einflussreichen Bürgern und gaben der Stadt ein neues Gesicht. Fast die Hälfte aller Ludwigsburger arbeitete um 1900 in Industrie und Gewerbe. Sie stellten eine Produktpalette her, die sich zu einer erstaunlichen Bandbreite auffächerte und weltweit Absatz fand.

Soldatenstadt

Soldatenstadt

Über zweieinhalb Jahrhunderte, von 1737 bis 1994, war Ludwigsburg Garnisonsstadt. Soldaten machten zeitweise mehr als ein Drittel der Bevölkerung aus und waren in der Stadt allgegenwärtig. Militärische Kommandos in den Straßen, der dumpfe Klang marschierender Truppen, ratternde Geschützwagen und das Klappern von Pferdehufen bildeten Ludwigsburgs Geräuschkulisse. Die groß angelegte Architektur der Kasernenbauten prägte das Stadtbild. Einblicke in das Leben hinter den Mauern blieben aber die Ausnahme: Die Garnison war eine Stadt in der Stadt. Und doch standen fast alle Ludwigsburger privat oder geschäftlich mit dem Militär in Verbindung. Neben der spektakulären Schauseite bildete sich die Garnison so nochmals ab – im Alltag der Bürger.

Bürgerstadt

Bürgerstadt

Im Krieg blieb Ludwigsburg weitgehend unzerstört. 1945 übernahmen französische, dann amerikanische Alliierte die Stadt. Die zahlreichen Kasernen boten vielen eien Unterkunft: In den amerikanischen Internierungslagern warteten bis zu 50.000 Nationalsozialisten auf ihren Prozess und sollten zur Demokratie umerzogen werden. Displaced Persons und Flüchtlinge aus ganz Europa wurden in Lagern und Lazaretten mit dem Notwendigsten versorgt. Für einige blieb die Stadt nicht nur Durchgangsort. Die Wohnbevölkerung Ludwigsburgs verdoppelte sich innerhalb weniger Jahre. Heute leben hier rund 93.000 Menschen. Mit ihren Ideen und Interessen prägen sie die Stadt und machen Ludwigsburg zu einem Ort mit vielen Gesichtern.

Chronik

Haus als Exponat

Häuser sind Zeitzeugen. Die Eberhardstraße 1 wurde als eines der ersten – für Ludwigsburg typischen – Gebäude errichtet. Fast 300 Jahre lang nutzten verschiedene Ämter das Haus. Immer wieder erfuhr es Umgestaltungen. Eine solche Biografie hinterlässt Spuren. Von der Macke in der Wand bis hin zur veränderten Raumaufteilung kam vieles beim Umbau zum Museum wieder ans Licht. Denkmalgeschützte Architektur steht heute deutlich sichtbar neben modernen Ein- und Anbauten. Das Haus selbst ist das größte Ausstellungsstück des Museums.

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