Idealstadt

Rundweg 2

Fußweg 3,5 km

Dauer 45 min

In unmittelbarer Nähe zu Schloss Ludwigsburg plante Herzog Eberhard Ludwig die  Gründung einer Idealstadt. Von 1709 an warb  er mit immer neuen Vergünstigungen um Bürger:  Anfangs versprach er kostenfreie Baugrundstücke  und -materialien sowie fünfzehn Jahre Steuerfreiheit, später zusätzlich freie Berufsausübung und Religionsfreiheit. Doch die Siedlung begann erst zu wachsen, als sie 1718 die Stadtrechte erhalten hatte und zur Residenz- und Hauptstadt erhoben worden war. Nach dem Tod des Regenten verließ  die Hälfte der Einwohner die Stadt, denn der nachfolgende Herzog Carl Alexander regierte  wieder von Stuttgart aus. Herzog Carl Eugen wählte Ludwigsburg 1764 erneut zu seiner Residenz  und erweiterte die ältere Ludwigsstadt um die neue Carlsstadt.

MIK Museum Information Kunst, Eberhardstraße 1

Als eines der ersten Häuser in Ludwigsburg errichtete der herzogliche Kirchenrat von 1731 bis 1733 das Amtshaus. Ebenerdig lagen die Amtsstuben und im Obergeschoss wohnte der Kirchenrat. Der hintere Gebäudeteil über der Hofdurchfahrt diente als Fruchtkasten der Vorratshaltung. Im Hof stand die herrschaftliche  Küferei, in der auch gekeltert wurde. Der Gewölbekeller zur Lagerung des Weines ist erhalten. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude als Landvogtei genutzt. Der Regierungspräsident  zog in die Amtswohnung. In den Amtsstuben richteten sich um 1850 Post- und Zollamt ein. 1887 wurde dieses Postamt aufgelöst und zum Oberamt umgebaut. Der Eingang lag nun seitlich, und das Haus erhielt die Adresse Eberhardstraße 1. Im Erdgeschoss eröffnete die Kanzlei. Der Oberamtmann bewohnte die früheren Räume des Regierungspräsidenten und ein Hausmeister die neue Wohnung im ehemaligen Fruchtkasten.

Amtshäuser, Wilhelmstraße 1, 5, 9

Auf Anordnung des Herzogs Eberhard Ludwig erbauten die württembergischen Oberämter Häuser in der neuen Stadt. Göppingen, Backnang, Kirchheim / Teck und Wendlingen begannen 1722 mit dem Bau eines Amtshauses, das Obervogt Johann von Phull um sein eigenes Wohnhaus ergänzen und vollenden ließ. Das Gebäude war zunächst für die herzoglichen Kanzleien bestimmt. Später wurde es auch als Kaserne und dann als Militärwaisenhaus genutzt. Dafür ließ sich der Herzog im Treppenhaus ein Denkmal setzen. Es wurde vermutlich von Pierre François Lejeune geschaffen. Unmittelbar an diesen Bau schließt das ehemalige Herrenberger Amtshaus an (Nr. 7). In der Oberen Marktstraße 1–4 stehen das Tübinger, das Ludwigsburger, das Balinger und das Stuttgarter Amtshaus. Das Waiblinger Amtshaus befindet sich am Marktplatz 11 und das Uracher  Amtshaus in der Schlossstraße 37.

Rathaus, Wilhhelmstraße 11

Oberhofmeister von Thüngen ließ sich 1726 das ehemalige Heidenheimer Amtshaus ausbauen. Seit 1767 wird das Gebäude als Rathaus genutzt. Durch einen großen Umbau im Jahr 1885 wurde es  um ein Stockwerk erhöht und stark verändert. Das Rathaus ist mit dem benachbarten Bau des Ratskellers durch einen Glasgang verbunden. Früher gehörte dieses Palais mit Lustgarten dem Obervogt von Pöllnitz und von 1834 bis 1900 der Museumsgesellschaft. Dieser Verein machte das sogenannte Neue Museum zur ersten Adresse für das gebildete Bürgertum sowie den Offiziersstand.

Ehemalige Lateinschule, Obere Marktstraße 1 zuvor in der Eberhardstraße 27

Marktplatz

In der Mitte des großen rechteckigen Platzes hat sich Stadtgründer Eberhard Ludwig ein Denkmal gesetzt. Der Bildhauer Carlo Ferretti schuf 1723 die Brunnenfigur, die den Herzog  als höchsten Offizier des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation mit dem Marschallstab darstellt. Der Marktplatz zeigt die vom Baumeister Donato Giuseppe Frisoni entworfene barocke Anlage im italienischen Stil mit einem umlaufenden Arkadengang. Ungewöhnlich ist, dass  sich zwei Kirchen gegenüberstehen. Die evangelische Stadtkirche mit Zwillingstürmen wurde 1718 – 1730 ebenfalls nach dem Entwurf Frisonis erbaut. Die seit 1905 katholisch geweihte Dreieinigkeitskirche war zunächst von Paolo Retti und Johann Leonard Frey als Kirche der Reformierten geplant. Vollendet wurde der Bau 1781 von Johann Adam Groß als evangelische Garnisonskirche.

Ehemalige Apotheke Bischoff, Marktplatz 7

Gasthaus zum Waldhorn, Schlossstraße 33

Ein kunstvoll geschmiedeter Ausleger mit goldenem Horn weist auf das älteste Haus der  Stadt hin: Das Gasthaus ‚à la trompe d’or‘ wurde 1707 aus dem Material eines früheren Kavaliersbaus errichtet, der beim Bau des neuen Schlosses abgetragen worden war. Im ‚Waldhorn‘ fanden zunächst die Jagdgäste des Herzogs Unterkunft und später berühmte Reisende wie Leopold Mozart mit seinen Kindern Nannerl und Wolfgang Amadeus oder auch Johann Wolfgang Goethe.

Ehemaliges Zucht-, Arbeits- und Waisenhaus, Schorndorfer Straße 38

Heute ist hier das Strafvollzugsmuseum untergebracht.

Jägerhof, ehemalige Porzellanmanufaktur, Schorndorfer Straße 42

König Friedrich I. (reg. 1797 – 1816) und König Wilhelm I. (reg. 1816 – 1864) – 1790 zog Prinz Friedrich, der spätere erste württem- bergische König, mit seinen Söhnen Wilhelm und Paul in das Prinzenpalais. Für die Kinder war es kein freundliches Elternhaus. Sie wuchsen ohne Mutter auf. Der Vater war auf eine standesge- mäße Ausbildung bedacht und setzte seinen hohen Erziehungsanspruch mit harter Hand durch. Insbesondere Wilhelm litt unter der übergroßen Strenge des cholerischen Friedrich. Er entwi- ckelte einen ausgeprägten Widerspruchsgeist. Als er nach dem Tod seines Vaters die Regierung übernahm, sorgte er in Verwaltung, Justiz und Wirtschaft für längst überfällige Reformen.

Ehemaliges Wohnhaus Donato Giuseppe Frisonis, Schorndorfer Straße 25

Mömpelgardstraße

Die Wohnstraße war zunächst dem Hofadel vorbehalten. Das erste Palais (Nr. 24) erbaute  Baumeister Nette 1710 für General von Sternenfels. Ab 1716 bewohnte es Erbprinz Friedrich Ludwig. Dann wurde das Gebäude als Seidenfabrik und Hofwäscherei sowie später gemeinsam mit dem Nachbarhaus als Offiziersbildungsanstalt genutzt. Das Gebäude Nr. 26 gehörte Mitte des 18. Jahrhunderts dem Leibarzt von Reichenbach, bei dem sich von 1766 bis 1768 die Familie Friedrich Schillers eingemietet hatte. Nur wenige Häuser weiter (Nr. 18) lebte von 1734 bis 1737 der Geheime Finanzrat Joseph Süß Oppenheimer. Sein Gartenhaus wurde bis 1883 als Synagoge genutzt. 

Ehemaliges Haus Christoph Friedrich Cottas und Wohnung der Familie Friedrich Schillers, Stuttgarter Straße 26

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