Bürgerstadt

Rundweg 6

Fußweg 4,3 km

Dauer 60 min

Im Krieg blieb Ludwigsburg weitgehend unzerstört. 1945 übernahmen französische, dann amerikanische Alliierte die Stadt. Die zahlreichen Kasernen boten vielen Unterkunft: In den amerikanischen Internierungslagern warteten bis zu 50.000 Nationalsozialisten auf ihren Prozess und sollten zur Demokratie umerzogen werden. Displaced Persons und Flüchtlinge aus ganz Europa wurden in Lagern und Lazaretten mit dem Notwendigsten versorgt. Für einige blieb die Stadt nicht nur Durchgangsort. Die Wohnbevölkerung Ludwigsburgs verdoppelte sich innerhalb weniger Jahre. Heute leben hier rund 95.000 Menschen. Mit ihren Ideen und Interessen prägen sie die Stadt und machen Ludwigsburg zu einem Ort mit vielen Gesichtern.

Arsenalplatz

Bill Haley gastierte 1960 im nichtöfentlichen Casino-Club der US-Armee, der sich im Offizierskasino am Arsenalplatz befand. Es lag an der Nordostseite des Arsenalplatzes und wurde 1974 abgerissen. Mit seinem Titel ‚Rock Around the Clock‘ hatte der Sänger mit der Schmalzlocke Mitte der 1950er Jahre den Rock ’n’ Roll bekannt  gemacht. Als einer der ersten Stars der jugendlichen Populärmusik ging er weltweit auf Tournee. Seine Konzerte hatten eine entfesselnde Wirkung. In Stuttgart zerlegten ‚Halbstarke‘ die Konzert-bestuhlung, in Berlin endete die Veranstaltung in einer Saalschlacht. Das Ludwigsburger Konzert ging dagegen glimpflich über die Bühne.

Mörike-Gymnasium, Karlstraße 19 und Goethe-Gymnasium, Seestraße 37

Horst und Eva Luise Köhler bezeichnen Ludwigsburg als ihre Heimat. Sie wurde hier geboren, er kam 1953 mit seiner Familie als Flüchtling hierher. Horst Köhler besuchte das  Mörike-Gymnasium, seine spätere Frau das gegenüberliegende Goethe-Gymnasium. Kennengelernt haben sich die beiden aber nicht auf dem gemeinsamen Schulweg, sondern zufällig  nach einem Kinobesuch. Es regnete in Strömen, Köhler hatte keinen Schirm dabei und fragte deshalb kurzerhand die junge Frau, ob er unter ihren kommen dürfe. Er durfte. Von 2004 bis 2010 war Horst Köhler deutscher Bundespräsident. Seit 2012 sind die Eheleute Ehrenbürger ihrer Heimatstadt.

MHPArena, Schwieberdinger Straße 30

‚1. Tanzclub Ludwigsburg e.V.‘ – mit diesem Namen brachten die Vereinsgründer 1968 ihr hochgestecktes Ziel deutlich zum Ausdruck. Dass der Club zu einem der weltweit erfolgreichsten werden würde, war damals nicht abzusehen. Seit 1985 gehören die Standardformationstänzer des 1. TCL zu den Besten der Welt. Die Multifunktionshalle wurde insbesondere auch auf die Bedürfnisse des Turniertanzes zugeschnitten. Als sie 2009 fertiggestellt war, konnte die Weltmeisterschaft im Standardformationstanz zum ersten Mal in Ludwigsburg stattfinden. Bei dieser Premiere holte sich der 1. TCL zum 10. Mal den Weltmeistertitel.

Anton-Bruckner-Schule, Schulgasse 6

Sophie Scholl wohnte von 1930 bis 1932 mit ihrer Familie in Ludwigsburg. Sie ging auf die Mädchenvolksschule am Schulbückele, die heutige Anton-Bruckner-Schule, und besuchte dort die dritte und vierte Klasse. Ihre Freizeit verbrachte sie gerne im Favoritepark. Während ihres Studiums in München schloss sie sich der Widerstandsgruppe ‚Weiße Rose‘ an. Am 18. Februar 1943 wurde sie beim Flugblätterverteilen verhaftet und vier Tage später hingerichtet.

Hans-Klenk-Haus, Talstraße 22–24

Terence Hills Mutter, eine Deutsche, verbrachte ihren Lebensabend im AWO Pfegezentrum Hans-Klenk-Haus. Der italienische Schauspieler besuchte sie regelmäßig. Die beiden hielten sich besonders gern im Garten des Pflegeheims auf. Nach dem Tod seiner Mutter ließ Hill dem Hans-Klenk-Haus eine Spende zukommen, wovon mehrere Kaffeeautomaten für  die Bewohner angeschafft wurden. Mit frischem Cappuccino hielt die italienische Kaffeekultur im Hans-Klenk-Haus Einzug.

Schlosshof, Schlossstraße 30

Charles de Gaulle wandte sich am 9. September 1962 im Hof des Ludwigsburger Schlosses mit einer eindringlichen Rede an die deutsche Jugend. Der Staatspräsident betonte in deutscher Sprache die Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen für die Einheit Europas und forderte seine Zuhörer auf, über die Grenzen hinweg Freundschaft zu schließen. Das Publikum war begeistert. Im darauffolgenden Jahr schlossen de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer in Paris den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag.

Schlossstraße

Königin Elisabeth II. stieg nicht aus ihrem Wagen, als sie am 24. Mai 1965 durch Ludwigsburg fuhr. Auf dem Weg von Stuttgart nach Marbach sah das Protokoll keinen Halt vor. Tausende Schaulustige jubelten ihr zu, als sie, in zitronengelbem Kostüm, winkend und mit geöffnetem Verdeck durch die Schlossstraße fuhr. Ohne Zwischenfälle passierte sie nach wenigen Minuten die Stadtgrenze.

Wilhelmstraße 2

Adolf Hitler wurde hungrig, als er am 28. August 1930 auf einer Reise durch Ludwigsburg  kam. Am Gasthaus Stern hielt er an, um dort eine Mahlzeit einzunehmen. Nach dem Stuhl, auf dem er damals saß, wurde später oft gefragt. 1945 suchte das Ludwigsburger Landratsamt nach dem Möbel, denn es sollte auf keinen Fall zu einer Reliquienverehrung kommen. Das Stück war aber nicht mehr auffindbar. 1970 wurde das Gasthaus abgerissen. Heute steht an dieser Stelle  ein Neubau.

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