Eine sepiafarbene Fotografie zeigt das Arbeitszimmer von Friedrich Theodor Vischer

Die Tücke des Objekts

Mörike Kerner Vischer

7.5.–25.9.2022

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verstanden Ludwigsburger Bürgerinnen und Bürger ihre Stadt als „Dichterstadt“. 1897 gründeten sie den Historischen Verein, baten die Nachfahren der hier geborenen Schriftsteller um Erinnerungsstücke und legten damit den Grundstein für die stadtgeschichtliche Sammlung. Jahrzehntelang waren die im Museum in „Dichterzimmern“ arrangierten Möbel und Alltagsgegenstände Ausgangspunkt einer pathosbeladenen Dichterverehrung.

Doch was erzählen diese Dinge heute über ihre einstigen Besitzer? Wo tauchen sie in literarischen Werken auf und welches Verhältnis entwickelten die Autoren zu den Gegenständen? Die Erfahrungen von Industrialisierung und politischem Umbruch am Beginn der Moderne führten nicht unbedingt zu einem sachlichen Umgang mit der Dingwelt. Im Gegenteil, unter den Augen eines Schriftstellers konnten Gegenstände ein aktives Eigenleben entfalten und als „tückische Objekte“ der menschlichen Verunsicherung Ausdruck verleihen.